Dr. Hans Morschitzky

Klinischer und Gesundheitspsychologe

Psychotherapeut

Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie

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Das vegetative Nervensystem

 

 

Das vegetative Nervensystem regelt den inneren Betrieb des Körpers, hält alle lebenswichtigen Organtätigkeiten aufrecht und passt den Körper an wechselnde Umweltbedingungen an. Es steuert Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel, Ernährung, Eingeweide, Verdauung, Drüsentätigkeit, Temperatur, Ausscheidung, Aktivität, Schlaf, Wachstum, Reifung und Fortpflanzung.

 

Das vegetative Nervensystem besteht aus zwei Teilen, die gegensätzliche Funktionen haben und durch ihr Zusammenspiel das vegetative Gleichgewicht des Körpers (Homöostase) aufrechterhalten: 

  1. sympathisches Nervensystem: für Aktivität und Leistung;

  2. parasympathisches Nervensystem: für Erholung, Entspannung und Energieaufbau.

 

Sympathikus und Parasympathikus im Überblick

 

Körperbereich

Sympathikus - Aktivierung

Parasympathikus - Beruhigung

Herz

Steigerung des Herzschlags,

Kraftsteigerung,

Erweiterung der Herzkranzgefäße

Verlangsamung des Herzschlags,

Verengung der Herzkranzgefäße

Blutgefäße der arbeitenden Muskulatur

Erweiterung

Verengung

Blutgefäße der Haut

Verengung

Erweiterung (Erschlaffung)

Blutdruck

Steigerung durch Beschleunigung der Herztätigkeit und Verengung der Blutgefäße der Haut

Reduzierung durch verringerte Herztätigkeit und Erweiterung der Blutgefäße der Haut

Gerinnungsfähigkeit

des Blutes

Erhöhung, um eventuelle Wunden

zu schließen

Abschwächung, d.h. Verdünnung

Stoffwechsel

Steigerung, Energieabbau

Reduzierung, Energieeinsparung

Bronchien (Lunge)

Erweiterung

Verengung, Schleimproduktion

Magen/Darm

Hemmung der Verdauungsfunktionen, Hemmung der Produktion von

Verdauungssäften bzw. Schleim,

Anspannung der glatten Muskulatur,

Gefäßverengung,

Hemmung der Defäkation

Förderung der Verdauungsfunktionen, Anregung der Produktion von

Verdauungssäften bzw. Schleim,

Entspannung der glatten Muskulatur,

Gefäßerweiterung,

Anregung der Defäkation

Bauchspeicheldrüse

Hemmung der Insulinproduktion

Förderung der Insulinproduktion

Schweißdrüsen

wenig klebriger Schweiß

viel dünnflüssiger Schweiß

Speicheldrüsen

Hemmung des Speichelflusses

(zähflüssiger Speichel)

Verstärkung des Speichelflusses (dünnflüssiger Speichel)

Harnblase

Hemmung des Zusammenziehens der Harnblase (Harnverhalten)

Zusammenziehen der Harnblase (Harnentleerung)

Genitalien

Hemmung der Durchblutung der

Genitalien (Gefäßverengung),

Ejakulation

Förderung der Sekretion,

Stimulierung der Durchblutung der Genitalien (Gefäßerweiterung),

Erektion

Auge

Pupillenerweiterung,

Lidspaltenerweiterung

Pupillenverengung, Akkomodation,

Lidspaltenverengung

Tränendrüsen

geringe Sekretion

starke Sekretion

Gehirn

Bewusstseinsaufhellung

Bewusstseinsminderung

 

Die Organe des vegetativen Nervensystems verfügen über eine glatte Muskulatur, die vom Willen nicht steuerbar ist, weshalb man auch vom „autonomen“ oder „unwillkürlichen“ Nervensystem spricht. Emotionale Zustände (Freude, Ärger, Wut, Leid, Trauer, Angst) bewirken Veränderungen des vegetativen Nervensystems.

 

Die Informationsweiterleitung im sympathischen und parasympathischen Nervensystem erfolgt über zwei verschiedene Arten von Nervenbahnen:

  1. Afferente Bahnen. Weiterleitung der Informationen von der Peripherie in die übergeordneten Zentren (Zentralnervensystem: Gehirn und Rückenmark). Die afferente Erregungsleitung erfolgt über eine einzige Nervenzelle.

  2. Efferente Bahnen. Weiterleitung der Informationen von den übergeordneten Steuerungszentren zu den Muskel- und Drüsenzellen. Für die efferente Erregungsleitung sind zwei Nervenzellen erforderlich. Die Umschaltung von der ersten auf die zweite Nervenzelle erfolgt in sog. Ganglien. Ganglien sind Nervenzellansammlungen bzw. Nervengeflechte außerhalb des Zentralnervensystems, die aus den Nervenzellkörpern der zweiten efferenten Nervenzellen bestehen. Das Neuron nach den Ganglien wird auch postganglionäres Neuron genannt. Das erste efferente Neuron, d.h. die Nervenzelle vor den Ganglien, dessen Zellkörper innerhalb des Zentralnervensystems in sog. vegetativen Kernen liegen, wird auch präganglionäres Neuron genannt. Die sympathischen Ganglien liegen in der Nähe der Wirbelsäule, die parasympathischen Ganglien meistens in der Nähe der Erfolgsorgane.

 

Die Informationsweiterleitung von der präganglionären auf die postganglionäre Nervenzelle erfolgt im sympathischen und im parasympathischen Nervensystem durch den Transmitterstoff Acetylcholin. Die erste, präganglionäre Nervenzelle wird daher auch cholinerg genannt.

 

Das zweite, postganglionäre Neuron, das direkt auf die Muskel- bzw. Drüsenzelle des Erfolgsorgans einwirkt, weist zwei Transmittersubstanzen auf:

  1. Noradrenalin in den sympathischen Nervenfasern, weshalb die postganglionären Fasern des sympathischen Nervensystems auch adrenerg genannt werden.

  2. Acetylcholin in den parasympathischen Nervenfasern, weshalb die postganglionären Fasern des parasympathischen Nervensystems auch cholinerg genannt werden.

 

Die entscheidende Transmittersubstanz des sympathischen Nervensystems ist das Katecholamin Noradrenalin, das in den Endigungen der postganglionären Neurone synthetisiert, in Vesikeln (Bläschen) gespeichert und bei Bedarf freigesetzt wird.

 

Die Entfernung aus der Synapse geschieht durch Wiederaufnahme und durch enzymatische Inaktivierung mittels der Monoaminooxidase (MAO) und der Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT).

 

Das sympathische Nervensystem weist Alpha- und Beta-Rezeptoren in zwei verschiedenen Ausprägungen auf, die jeweils unterschiedliche physiologische Wirkungen haben. 

 

Die prä- und postganglionäre Transmittersubstanz des parasympathischen Nervensystems ist der Überträgerstoff Acetylcholin, der auch für die Informationsübertragung an den motorischen Endplatten der willkürlich innervierten quergestreiften Skelettmuskulatur verantwortlich ist.

 

Periphere adrenerge und cholinerge Erregungsübertragung

 

Adrenerge Wirkungen

 

 

 

 

 

Rezeptor

Ort

Effekte von Agonisten

alpha1

Gefäße, Uterus,

Schließmuskeln (Blase, Darm),

Lunge (Bronchiolen),

Magen- und Darmdrüsen

Kontraktion,

 

 

Hemmung der Sekretion

alpha2

Gefäße,

Niere (Reninfreisetzung),

Leber (Lipolyse - Fettabbau),

Bauchspeicheldrüse

(Insulinfreisetzung)

 

Kontraktion (der Gefäße),

Hemmung der Organfunktion

beta1

Herz

 

Niere (Reninfreisetzung)

Steigerung von Frequenz,

Überleitung und Kontraktilität

Steigerung der Sekretion

beta2

Gefäße, Uterus,

Schließmuskeln (Blase, Darm), Lunge (Bronchiolen),

Bauchspeicheldrüse

(Insulinfreisetzung)