Dr. Hans Morschitzky

Klinischer und Gesundheitspsychologe

Psychotherapeut

Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie

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Panikattacke – verstehen und bewältigen

 

Vier Grundstrategien ermöglichen die rasche Bewältigung von Panikattacken:

  1. Gesundes Verhalten ausbauen: Nutzen Sie wirksame Strategien zur Bewältigung Ihrer Panikattacken, um zukünftig mehr vom Leben zu haben als bisher.

  2. Gesundes Vermeidungsverhalten beachten: Vermindern Sie reale Gesundheitsrisiken, die langfristig Ihre Gesundheit gefährden könnten.

  3. Krank machendes Kontrollverhalten unterlassen: Verzichten Sie auf unnötige Kontrollen Ihres Körpers und Ihrer Gesundheit, die langfristig das Vertrauen in Ihre eigene Handlungsfähigkeit untergraben.

  4. Krank machendes Vermeidungsverhalten überwinden: Gehen Sie raus aus jeder ungesunden Schonhaltung, die mangels Kondition zu körperlicher Schwäche und mangels positiver Erfahrungen zu Depressionen führen kann.

 

 

Gesundes Verhalten ausbauen: Nutzen Sie wirksame Strategien zur Bewältigung Ihrer Panikattacken

 

Panikattacken sind heftige körperliche und psychische Reaktionen, die die Betroffenen anfangs oft irrtümlich als Bedrohung von Leib, Leben oder Verstand interpretieren und später nicht minder belastend als Verlust der Selbstkontrolle in Situationen erleben, in denen sie funktionieren und nach außen hin unauffällig wirken möchten.

 

Sie treten entweder unerwartet, d.h. spontan, auf, oft nach Phasen von großem realen oder mentalen Stress, oder bereits erwartet angesichts bestimmter gefürchteter Situationen.

 

Eine einzelne Panikattacke macht noch keine psychische Störung aus. Krankheitswertig werden Panikattacken erst dann, wenn die Betroffenen damit nicht erfolgreich umgehen können, sehr darunter leiden und sich im Leben in schulischer, beruflicher, familiärer, sozialer und privater Hinsicht erheblich beeinträchtigt fühlen.

 

Im Folgenden werden die wichtigsten Strategien zur raschen und effektiven Bewältigung von Panikattacken in Form von zehn Schritten dargestellt.

 

 

1. Ängste verstehen: Erkennen Sie in Ihren Ängsten die Bedrohung Ihrer Grundbedürfnisse.

 

Eine Panikattacke ist ein falscher Alarm, ein Fehlalarm des Mandelkerns im limbischen System, dem Zentrum der Gefühle im Zwischenhirn. Gehen Sie angesichts einer derartigen vorschnellen Alarmierung von Körper und Psyche auch nach medizinischer Abklärung ohne krankheitswertigen Befund nicht einfach zur Tagesordnung über, sondern machen Sie sich bewusst, welche Bedrohungen Ihrer Grundbedürfnisse Sie dabei am meisten gefürchtet haben, nach dem Motto: „Was wäre, wenn …?“, und was Sie im Falle neuerlicher Panikattacken am meisten fürchten.

 

Geben Sie im Falle einer Panikstörung durch Ankreuzen der zutreffenden Zahl an, in welchem Ausmaß die folgenden fünf Bedrohungsszenarien als Ursache, Auslöser oder Verstärker Ihrer Panikattacken infrage kommen (0 = gar nicht, 1 = ein wenig, 2 = mäßig, 3 = stark, 4 = sehr stark).

 

Bedrohungsszenario

Ausmaß

Bedrohung des Körpers/des körperlichen Wohlbefindens

0  1  2  3  4

Bedrohung der sozialen/wirtschaftlichen Sicherheit

0  1  2  3  4

Bedrohung der Bindungen/Geborgenheit

0  1  2  3  4

Bedrohung des Selbstwerts/Sozialprestiges

0  1  2  3  4

Bedrohung der Kontrolle/Autonomie

0  1  2  3  4

 

Reihen Sie diese Bedrohungsszenarien anschließend mithilfe der Zahlen 1–5 und geben Sie dadurch an, in welcher Gewichtung diese bei Ihnen im Falle einer Panikstörung eine Rolle spielen. Welches war bzw. ist nach wie vor das größte Bedrohungsszenario für Sie (Zahl 1), welches war bzw. ist kaum oder gar nicht vorhanden (Zahl 5)?

 

Spontane Panikattacken gehen zumindest beim ersten und/oder zweiten Auftreten mit Todesängsten einher; sie bleiben in dieser Form gespeichert, ähnlich wie andere traumatisierende Ereignisse, auch wenn man schon längst weiß, dass man daran nicht sterben kann.

 

Wenn nicht akute Ängste um Leib und Leben im Mittelpunkt standen bzw. stehen, dreht sich bei Panikattacken oft alles um die Bedrohung der Sicherheit und der Geborgenheit als Basis für das weitere Leben, um die Bedrohung des Selbstwerts durch Blamage oder der mentalen Kontrolle. Panikattacken sind der Inbegriff von Kontrollverlust.

 

Halten Sie in Ihrem Angsttagebuch alle Gedanken, Gefühle und Erfahrungen in Bezug auf Panikattacken fest. Analysieren Sie alle möglichen Zusammenhänge zwischen Ihren Panikattacken und Ihrer inneren Befindlichkeit bzw. den äußeren Lebensumständen.  

Folgende Fragen können hilfreich sein:

 

2. Denkmuster ändern: Entwickeln Sie hilfreichere Sichtweisen.

 

Panikattacken wirken bedrohlich, sie sind aber nicht gefährlich. Die körperlichen und psychischen Symptome von Panikattacken werden erst durch die angstmachenden negativen Bewertungen zu einem erheblichen Problem, wie etwa: „Herzrasen, Herzstolpern und Druckgefühle im Brustkorb kündigen einen Herzinfarkt an“, „Atemnot und Beklemmungsgefühle führen zum Ersticken“, „Linksseitige Kribbelgefühle sind Schlaganfallsymptome“, „Schwindelgefühle sind die Vorstufe zum Kollaps“, „Ich bin verwirrt, gleich drehe ich durch.“ Die angstbedingte Verstärkung der wahrgenommenen Symptome führt schließlich zur Panikattacke, bekannt als Teufelskreis der Angst.

 

Panikattacken treten oft als Folge eines erhöhten Anspannungsniveaus bereits beim kleinsten zusätzlichen Stress auf, viel häufiger noch in der entspannenden Nach-Stress-Situation, ähnlich wie eine Wochenendmigräne oder wie eine körperliche Erkrankung zu Urlaubsbeginn. Viele Panikattacken entstehen aus starken emotionalen Zwiespältigkeiten, die einen anhaltenden körperlichen und psychischen Anspannungszustand bewirken (z.B. Ärger bei gleichzeitigem Mitleid, Liebe bei gleichzeitigem Hass). Sie entstehen oft auf dem Hintergrund von „ohnmächtiger Wut“, charakterisiert durch Wut und Ärger einerseits und Ohnmacht und Hilflosigkeit andererseits in Partnerschaft, Familie oder Beruf.

 

Nutzen Sie medizinische Grundinformationen, um Ihre falschen Bedrohungseinschätzungen in Bezug auf bestimmte Paniksymptome zu korrigieren. Man nennt die Entwicklung neuer Sichtweisen kognitive Umstrukturierung oder positives Reframing.

 

Folgende hilfreiche Sichtweisen können Ihre Angst und Furcht vor einer Panikattacke vermindern:

Der Boden für Panikattacken wird oft vorbereitet durch bestimmte grundlegende Überzeugungen, die ein allgemein erhöhtes körperliches Anspannungsniveau bewirken.

 

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

 

3. Körperliche Befindlichkeit verbessern: Nutzen Sie körperliche Aktivität und Entspannung zum Stressabbau.

 

Eine Panikattacke beruht auf einem heftigen Adrenalinstoß, meist in einer völlig ungefährlichen Situation oder sogar in einem Zustand von Ruhe und Entspannung. Man ist gleichzeitig hochgradig aktiviert und blockiert, man fühlt sich wie erstarrt und eingefroren in seiner ganzen Bewegungsfähigkeit.

 

Das aktivierend-anregende sympathische Nervensystem und das blockierend-dämpfende parasympathische Nervensystem sind gleichzeitig aktiv, wie wenn man beim Auto das Gaspedal und das Bremspedal gleichzeitig drücken würde.

 

Machen Sie sich bewusst: Wir haben bei realer oder vermeintlicher Bedrohung drei Reaktionsmöglichkeiten: Kampf, Flucht oder Erstarren (Fachausdruck: Freeze-Effekt, von engl. to freeze = eingefroren sein).

 

Das erste Ziel bei Panikattacken ist: Raus aus der Erstarrung, die in der jeweiligen Situation – anders als bei realer Bedrohung ohne Fluchtmöglichkeit – keine sinnvolle Schutzreaktion darstellt.

 

Die drei hilfreichsten Sofortmaßnahmen bei Panikattacken sind daher: kräftige Bewegung, Sport oder Tanzen, lautes Reden, Telefonieren oder Singen sowie bestimmte Atemtechniken mit oder ohne Bewegung.

 

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

Seit über hundert Jahren wird die Frage diskutiert: Haben wir zuerst Angst, die dann bestimmte Symptome bewirkt, oder haben wir zuerst bestimmte Symptome, die uns dann Angst machen? Neurobiologische Erkenntnisse rechtfertigen durchaus auch die zweite Sichtweise, die in der Fachwelt als James-Lange-Theorie bekannt ist.

 

Es gibt in unserem Gehirn ein bestimmtes Areal, die sogenannte Insula (deutsch: Insel), die von allen Körperregionen Rückmeldungen über die jeweilige Befindlichkeit erhält, diese mithilfe aller Sinneskanäle verarbeitet, interpretiert, unserer bewussten Wahrnehmung zugänglich macht und in bestimmte Gefühle übersetzt. Botschaften auf dem Weg über den insulären Kortex zu unserem Bewusstsein laufen so ab: „Achtung, du hast jetzt starke körperliche Symptome wie heftiges Zittern, beschleunigten Herzschlag und verstärkte Atmung, also hast du vor irgendetwas Angst. Unternimm schnell etwas dagegen!“

 

Man schließt also, wie dies auch bei vielen Phobien der Fall ist, von der momentanen inneren Befindlichkeit auf eine akute äußere Bedrohung, was in der Psychologie emotionale Beweisführung genannt wird. Entspannungsmethoden vermindern die Aktivität der vorderen Insula, sodass Sie weniger körperliche Symptome und damit auch weniger Angst, Furcht, Ärger oder Ekel empfinden.

 

Daraus folgt: Wenn Sie nicht immer so angespannt wären, egal aus welchem Grund, würden Sie sich körperlich nicht so schnell bedroht fühlen. Antidepressiva, Tranquilizer und Alkohol wirken beruhigend auf die Gefühlszentren im limbischen System.

 

Sie können sich aber auch aus eigener Kraft helfen, nicht gleich so ängstlich zu reagieren. Entspannungsmethoden, Sport, Musikhören, bestimmte Hobbys und jedes Flow-Erlebnis mit völligem Aufgehen in der jeweiligen Tätigkeit können einen ähnlich wohltuenden Effekt haben.

 

4. Aufmerksamkeit lenken: Konzentrieren Sie sich auf das, was im Moment hilfreich und wichtig ist.

 

Lenken Sie bei einer Panikattacke Ihre Aufmerksamkeit nicht auf Ihren Körper, sondern auf die Umwelt oder auf Tätigkeiten, die Sie gerade ausführen. Die Fähigkeit, eine Panikattacke ohne Bewertung zu beobachten, also buchstäblich in sich hineinzuhorchen, ohne gegen alle möglichen Missempfindungen anzukämpfen, ist eine hohe Kunst, die Sie später in Form der Achtsamkeitstherapie erlernen werden.

 

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

 

5. Achtsamkeit üben, Akzeptanz fördern: Nehmen Sie Ihre Körperempfindungen, Gedanken, Vorstellungen und Gefühle achtsam wahr.

 

Personen mit Panikattacken erinnern sich bewusst oder unbewusst an die schlimmsten Panikattacken in der Vergangenheit und fürchten schon die nächste als kurz bevorstehend. Auf diese Weise wird eine unnötige Kampf-Flucht-Reaktion ohne Bewegung bewirkt, die im Laufe der Zeit zu einer Daueranspannung führt.

 

Ein spezielles Achtsamkeits- und Akzeptanztraining kann Ihnen helfen, mit Panikattacken anders zurechtzukommen als bisher. Die Methode der Achtsamkeit ermöglicht eine Wahrnehmung des Körpers ohne ständige Ablenkung oder Hinwendung zur Umwelt. Es soll dabei nichts erreicht werden, wie etwa Entspannung, und auch nichts vermieden werden, wie etwa eine aufkommende Panikattacke. Im gegenwärtigen Moment zu bleiben ist genug.

 

Das nicht wertende Wahrnehmen der momentanen Gedanken, Vorstellungen, Gefühle und Körperempfindungen stellt das Fundament der Achtsamkeit dar. Das ist das Gegenteil jener Haltung, die man bei Menschen mit Angst- und Panikstörungen findet, die alle körperlichen Regungen gleich als bedrohlich interpretieren.

 

Folgende Ratschläge und Übungen können hilfreich sein:

 

6. Gefürchtete Zustände provozieren: Lernen Sie einen besseren Umgang mit jenen Befindlichkeiten, die Sie am meisten fürchten.

 

Provokation statt Vermeidung von Panikattacken ist der schnellste Weg zur Heilung. Man spricht von einer paradoxen Strategie, wenn Sie ganz bewusst etwas tun, was Sie eigentlich fürchten.

 

Ihre Panikattacken werden umso häufiger und stärker, je mehr Sie sich davor fürchten und je mehr Sie dagegen ankämpfen. Haben Sie die Einstellung: „Nur nicht daran denken, sonst geht es gleich los“? Dann sind Übungen zur Panikprovokation die beste Vorbereitung darauf, ähnlich wie Feuerwehrleute und Sanitäter regelmäßig für den Notfall üben.

 

Zur Erleichterung sollte anfangs eine nahestehende Person für alle Fälle in der Nähe sein, die Ihnen Sicherheit, Vertrauen und auch den nötigen Mut zu derartigen Übungen gibt.

 

Folgende Ratschläge und Übungen können hilfreich sein:

 

7. Sich selbst coachen: Führen Sie hilfreiche Selbstgespräche.

 

Innere Dialoge in Form von aufmunternden Selbstinstruktionen erleichtern Ihnen die Bewältigung von Panikattacken. Beim Sprechen ist immer unser menschliches Gehirn, unser Großhirn, aktiv.

 

Unser Frontalhirn, speziell der präfrontale Kortex, der unser sichtbares Verhalten steuert, hemmt unser emotionales Gehirn, konkret unser limbisches System, vor allem unseren Mandelkern, der – etwas vereinfacht – als das Zentrum der Emotionen und damit auch der Angst gilt. Wir können unsere Gefühle nicht direkt beeinflussen, wir können jedoch mithilfe unserer Sprache indirekt darauf einwirken.

 

Wir können unsere Angstgefühle durch Sprechen mit uns selbst sowie mit einer personifizierten Panikattacke „in den Griff“ bekommen und auf diese Weise verarbeiten. Treten Sie in einen inneren Dialog mit der Panikattacke und sagen Sie zu ihr: „Komm her, fege über mich hinweg und lass mich dann wieder in Ruhe. Ich fürchte dich nicht mehr so wie früher, weil ich weiß, dass du mir nichts anhaben kannst.“

 

Formulieren Sie in aller Ruhe hilfreiche Sätze, die Sie sich dann später vor und während einer Panikattacke immer wieder vorsagen wie ein Gedicht, um sich auf diese Weise selbst zu coachen.

 

Halten Sie alle Selbstanweisungen und inneren Dialoge in Ihrem Angsttagebuch oder auf dem Memo Ihres Handys fest und verinnerlichen Sie sich diese so gut, dass Sie sie im Bedarfsfall rasch lesen, hören oder aus dem Gedächtnis abrufen können. Ermutigen Sie sich mit aufmunternden Worten und beruhigen Sie sich selbst so, wie Sie eine andere Person in belastenden Situationen aufbauen würden.

 

Hilfreich sind folgende Selbstinstruktionen:

 

8. Mental trainieren: Üben Sie erfolgreiches Handeln in der Vorstellung.

 

Neben inneren Selbstgesprächen ist vor allem auch das Mentale Training hilfreich. Sportler spielen einen bevorstehenden Wettbewerb im Geist x-mal durch und stellen sich dabei möglichst bildhaft-lebendig vor, wie sie trotz möglicher Probleme erfolgreich handeln.

 

Mentales Training stellt Ihr Kopfkino mit Ihren ständigen Angst- und Panik-Filmen von Horrorszenarien auf Erfolgsszenarien um.

 

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

 

9. Mutig konfrontieren: Stellen Sie sich in der Realität allen gefürchteten Situationen, um positive Erfahrungen zu machen.

 

Unser Gehirn merkt sich eine einzige negative Erfahrung im Interesse unseres Überlebens besser als zehn positive Erfahrungen, auch wenn es sich bei einer Panikattacke nur um einen falschen Alarm gehandelt hat.

 

Es ist verständlich, dass die Betroffenen im Laufe der Zeit immer mehr Situationen meiden, in denen neuerlich eine Panikattacke auftreten könnte, sei dies allein zu Hause oder auswärts zusammen mit anderen Menschen. Mit jedem einzelnen Vermeidungsverhalten wird dabei der Eindruck bestätigt, dass man einer Panikattacke nur deshalb entkommen ist, weil man ihr gezielt ausgewichen ist.

 

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

 

10.  Gefühle und Beziehungsprobleme bewältigen: Finden Sie Lösungen für die tieferen Hintergründe Ihrer Ängste.

 

Panikattacken sind oft wichtige Botschaften an die Betroffenen, die es zu enträtseln gilt. Sie stehen in Zusammenhang mit unbewältigten Gefühlen, unerfüllten Wünschen und ungelösten Problemen in Partnerschaft, Familie oder Beruf.

 

Folgende Ratschläge können hilfreich sein:

 

 

Gesundes Vermeidungsverhalten beachten: Vermindern Sie reale Gesundheitsrisiken

 

Menschen mit Panikattacken fürchten sich oft vor dem Falschen, nämlich vor den an sich harmlosen Panikattacken, sie fürchten sich jedoch zu wenig davor, dass sie aufgrund eines ungesunden Lebensstils langfristig schwer krank werden können. Der Ausschluss einer körperlichen Erkrankung nach den ersten Panikattacken bedeutet nur, dass Sie gegenwärtig gesund sind. Das heißt aber noch lange nicht, dass dies auch so bleiben muss, wenn Sie sehr ungesund leben und Raubbau an Ihrem Körper betreiben.

 

Haben Sie in der Vergangenheit ein Übermaß an Alkohol, illegalen Drogen, aufputschenden Getränken oder Zigaretten konsumiert? Haben diese Substanzen die Panikattacken ausgelöst, verstärkt und aufrechterhalten? Sie müssen auf Genussmittel wie Alkohol oder Kaffee nicht gänzlich verzichten, wie dies manchmal empfohlen wird, Sie sollten jedoch zukünftig mehr auf das rechte Maß achten.

 

Vermeiden Sie bedenkliche Lifestyle-Faktoren, wie sie heutzutage weit verbreitet sind: falsche Ernährung mit Fast-Food-Produkten, hochkalorische Snacks statt gesundem Obst und Nüssen, zu wenig oder gar keine körperliche Aktivität, verkürzte Schlafenszeiten, ständige Hektik, stressiges Multitasking, fehlende Ruhephasen.

 

Achten Sie wie Spitzensportler auf die gesunde Mischung von körperlicher Belastung und Erholung und vermeiden Sie jede Selbstausbeutung, die Sie an den Rand der psychophysischen Erschöpfung führt, wo Panikattacken nur das Vorzeichen eines drohenden Burn-out-Syndroms sind.

 

Verstehen Sie Panikattacken als Frühwarnsignale vor dem, was Sie zukünftig meiden sollten, wenn Sie nicht sehenden Auges einem Zusammenbruch entgegengehen möchten. Das Stichwort Work-Life-Balance gilt auch für Sie, selbst wenn viele Chefs in der heutigen Arbeitswelt dies aus verständlichen Gründen als Reizwort ansehen und nicht gerne hören möchten.

 

Alles, was einen ständig erhöhten Stresshormonpegel bewirkt, ist nicht gesund. Das Dauerstresshormon Kortisol hilft uns, mit großen und unvermeidbarer Belastungen gut zurechtzukommen, schadet uns jedoch langfristig in Form von körperlichen Erkrankungen, wenn wir auf Phasen der Regeneration, Muße und Erholung aus vermeintlichem Zeitmangel gänzlich verzichten.

 

Welche Krankheiten in Ihrer Familie, wie etwa Depressionen, Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Magen-Darm-Erkrankungen, könnten auch bei Ihnen durch zu viel Stress ausgelöst werden, wenn Sie nicht rechtzeitig gegensteuern, auch wenn Sie derzeit als völlig gesund gelten?

                                        

 

Krank machendes Kontrollverhalten unterlassen: Verzichten Sie auf unnötige Kontrollen Ihres Körpers und Ihrer Gesundheit

 

Die subjektiv lebensbedrohliche Erfahrung von Panikattacken hat Spuren hinterlassen. Das Gefühl einer erhöhten körperlichen Bedrohtheit ist oft auch nach einer oder mehreren medizinischen Untersuchungen ohne krankheitswertigen Befund nicht gänzlich verschwunden.

 

Verzichten Sie dennoch darauf, übermäßig oft zum Arzt zu gehen, ärztliche Notrufdienste zu kontaktieren oder weitere stationäre Aufenthalte zwecks intensiverer medizinischer Abklärung anlässlich der nächsten Panikattacken in Anspruch zu nehmen.

 

Bei anhaltenden, immer umfangreicheren medizinischen Untersuchungen beschreiten Sie den Weg in die Hypochondrie. Oder haben Sie bereits längst vor den Panikattacken unter belastenden Krankheitsängsten gelitten, sodass Sie vollständige oder unvollständige Panikattacken immer wieder als neuen Anlass zu medizinischen Kontrolluntersuchungen betrachten?

 

Bauen Sie durch Sport und regelmäßige körperliche Aktivität wieder ein gesundes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Körper auf, statt mehrmals täglich Puls und Blutdruck zu messen, Angehörige ständig zu Ihrem Gesundheitszustand zu befragen und damit als „Reserveärzte“ zu missbrauchen, unnötig viele Psychopharmaka, pflanzliche, homöopathische und sonstige Mittel einzunehmen, diverse heilende Tees zu trinken, medizinisch nicht angezeigte Nahrungsergänzungsmittel und Vitamintabletten zu schlucken.

 

Verzichten Sie im Laufe der Zeit auch auf die Mitnahme oder Einnahme eines rasch, in der Regel innerhalb einer halben Stunde wirksamen Beruhigungsmittels, das heißt eines Tranquilizers aus der Gruppe der Benzodiazepine, wie diese von Ärzten für den Notfall oft verordnet werden. Doch was ist ein „Notfall“, wenn Sie ohnehin wissen, dass Sie an einer Panikattacke nicht sterben können?

 

Betrachten Sie die Einnahme eines Beruhigungsmittels so wie die Einnahme eines Schmerzmitteln bei fönbedingten Kopfschmerzen: Wenn Ihnen das Medikament hilft, Ihre Aktivitäten fortzusetzen und Ihre Pläne auszuführen, wie etwa bei Flugangst aufgrund von Panikattacken einen Flug zu buchen, dann rechtfertigt dieser „höhere Zweck“ den vorübergehenden Einsatz eines Tranquilizers, der bei längerer, das heißt mehrmonatiger regelmäßiger Einnahme zur Abhängigkeit führen würde. Wenn Sie mithilfe des Beruhigungsmittels nur unangenehme Missempfindungen vermeiden oder minimieren wollen, ohne gleichzeitig das zu tun, was Ihnen wichtig ist, stehen Sie am Anfang eines chronischen Substanzmissbrauchs.

 

Krank machendes Vermeidungsverhalten überwinden: Gehen Sie raus aus jeder ungesunden Schonhaltung

 

Menschen mit Panikattacken sind bei ungesunder Schonhaltung auf dem besten Weg in die Hypochondrie, falls sie nicht schon vorher leichtere krankheitsängstliche Tendenzen gezeigt haben.

 

Viele Betroffene waren früher recht sportlich, sie haben sich jedoch aufgrund eines zunehmenden hypochondrischen Schon- und Vermeidungsverhaltens zu Couchpotatos entwickelt und verbringen, falls sie im Laufe der Zeit auch noch eine Agoraphobie bekommen, ihre Freizeit fast nur mehr im Internet und vor dem Fernsehapparat.

 

Die Vermeidung von Panikattacken über den Weg der Umgehung jener Situationen, in denen sie auftreten könnten, engt Ihren Aktionsradius immer mehr ein und macht Sie zunehmend abhängig von Vertrauenspersonen und allen möglichen Hilfsmitteln. Das Motto lautet: „Vermeiden Sie das Vermeiden, wenn dieses Sie nicht gesünder, sondern kränker macht.“

 

Nicht die Panikattacken an sich, sondern erst das Schon- und Vermeidungsverhalten bewirkt erhebliche Probleme in Partnerschaft, Familie und Beruf. Ohne Burn-out-Syndrom und ohne depressive Episode sollten Sie nach Panikattacken bei Ausschluss einer ernsthaften Erkrankung bald wieder in die Arbeit gehen, statt längere Zeit im Krankenstand zu bleiben, weil dies nur unproduktives Grübeln und ängstliches Sich-Sorgen fördern würde.

 

Wenn Sie schon zwei oder drei Wochen in Krankenstand gehen, sollten Sie in dieser Zeit alle früheren sozialen und körperlichen Aktivitäten ohne Schon- und Vermeidungsverhalten ausführen, um Ihr körperliches Selbstvertrauen zu stärken. Sie sollten auch Ihre Freizeit- und Urlaubspläne nicht ändern. Es gilt die Empfehlung: Wenn Sie aus medizinischer Sicht gesund sind, sollten Sie sich auch entsprechend gesund verhalten.

 

Menschen mit einer unbewältigten Panikstörung entwickeln im Laufe der Jahre oft eine Somatoforme Störung, vor allem eine Somatisierungsstörung, einen Somatoformen Schwindel oder eine Schmerzstörung, weil sie sich zu schonen begonnen haben und die Stresshormone nicht mehr durch heilsame körperliche Aktivität abgebaut haben, manchmal auch bedingt durch vermeintlichen Zeitmangel wegen beruflicher und/oder familiärer Verpflichtungen.

 

Zahlreiche Menschen mit Panikstörung betrachten sich nicht nur selbst weiterhin als reine Panikpatienten, sondern werden auch von zahlreichen Ärzten noch immer so diagnostiziert und behandelt, obwohl sie schon längst eine Somatoforme Störung aufweisen.

 

Ein typisches Beispiel dafür sind Menschen mit Somatoformem Schwindel und „atypischen“, das heißt verspannungsbedingten, meist linksthorakalen Brustschmerzen. Die Gruppe der Somatoforme Störungen wird übrigens im neuen ICD-11 abgeschafft und in Körperliche Belastungsstörung umbenannt.

 

Bedenken Sie auch: Jede Vermeidungshaltung begünstigt die Entwicklung einer Depression, sobald Sie im Laufe der Zeit auf all das verzichten, was Ihnen im Leben bisher wichtig und wertvoll war.