Herzangst

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Dr. Hans Morschitzky

Klinischer Psychologe, Psychotherapeut

Verhaltenstherapie, Systemische Familientherapie

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Herzangst bewältigen. Ein Selbsthilfeprogramm bei Herzphobie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2023)


Independently published (Amazon).  263 Seiten. Dieses Buch beschreibt die Herzangst bei Menschen mit Herzphobie sowie vor allem auch bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen und soll einen hilfreichen Umgang damit ermöglichen. Das Buch ist auch gebunden sowie als eBook erhältlich. Bei Amazon-Prime-Mitgliedschaft kann das eBook gratis ausgeliehen werden. 


Inhalt

 

Vorwort

  

Teil 1: Die Vielfalt von Herzangst

 

Herzneurose und Herzphobie

Historische Aspekte der Herzphobie

Das psychoanalytische Konzept der Herzneurose

Diagnostik nach dem internationalen Diagnoseschema

Wichtige Aspekte in der klinischen Alltagspraxis

Wesensmerkmale der Herzphobie

Vier Arten von nichtorganischer Herzangst

Empirische Definition von Herzangst

Häufigkeit von Herzphobie und funktionellen Herz-Kreislauf-Störungen

 

Herzangst bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Angststörungen – die häufigsten körperlichen und psychischen Erkrankungen

Das Herz-Kreislauf-System – medinische Grundinformationen

Koronare Herzkrankheit (Angina pectoris und Herzinfarkt) – wenn stark verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße das Herz lebensgefährlich bedrohen

Stress-Kardiomyopathie (Takotsubo-Kardiomyopathie oder Broken-Heart-Syndrom) – wenn psychischer oder körperlicher Stress ein gesundes Herz lebensbedrohlich verkrampft

Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie) – wenn permanenter Überdruck der Gefäße das Herz schädigt

Herzrhythmusstörungen – wenn das Herz bedrohlich aus dem Takt    gerät und zu langsam, zu schnell oder unrhythmisch schlägt

Herzklappenerkrankungen – wenn die Ventile Schaden erleiden

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) – wenn Pumpschwäche dem Herzen die Kraft zur Versorgung des Körpers raubt

 

Teil 2: Das Zusammenspiel von Herz und Psyche

 

Biopsychosoziale Risikofaktoren bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Biopsychosoziales Krankheitsmodell in der Psychokardiologie

Biologische Risikofaktoren

Soziale Risikofaktoren

Psychische Risikofaktoren

 

Psychobiologische Auswirkungen von Angststörungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das Stresssystem – körperliche Aktivierung durch Angst und Furcht

Fehlsteuerung des Stresshormonsystems – überaktiver Sympathikus und gehemmter Parasympathikus

Schwächung des Immunsystems – gefährliche Überaktivierung des Entzündungssystems durch Entzündungsbotenstoffe

Störungen des Blutgerinnungssystems – anhaltende Angst und Panik verdicken das Blut

Depressionen – erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Verschlimmerung von Angststörungen

 

 

Teil 3: Selbsthilfe bei Herzphobie und Herzangst im Rahmen   von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

 

Schritt 1 – Erkennen Sie biopsychosoziale Zusammenhänge: Analysieren Sie die psychischen und sozialen Aspekte Ihrer Herzangst bzw. Herzkrankheit

Erkennen Sie aktuelle psychosoziale Stressfaktoren

Analysieren Sie krankheits- und gesundheitsfördernde Faktoren

Unterscheiden Sie zwischen psychisch und organisch bedingten Herzbeschwerden

 

Schritt 2 – Leben Sie herzgesund: Vermindern Sie körperliche Risikofaktoren

Verändern Sie Ihren Lebensstil

Achten Sie auf eine herzgesunde Ernährung

Halten Sie den Blutdruck im Normalbereich

 

Schritt 3 – Stärken Sie Herz und Körper: Nutzen Sie das sympathische Nervensystem schrittweise zur Verbesserung der körperlichen Befindlichkeit

Pflegen Sie regelmäßige körperliche Aktivitäten

Nutzen Sie die Heilkraft des Wassers

 

Schritt 4 – Fördern Sie wohltuende Entspannung: Stärken Sie das parasympathische Nervensystem zur Regenerierung

Wählen Sie verschiedene Arten von Entspannung

Verwenden Sie Atemtechniken

Lernen Sie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung ..

Üben Sie die meditative Entspannungsreaktion nach Benson

Praktizieren Sie Achtsamkeit als Gegenteil von Angst

Nutzen Sie meditative Bewegungsübungen

Betreiben Sie Yoga

Profitieren Sie von der Heilkraft der Musik

Erhöhen Sie Ihre Herzraten-Variabilität

 

Schritt 5 – Verbessern Sie Ihre Lebensqualität: Achten Sie auf mehr Freude, Genuss und Lebenssinn

Nutzen Sie die Chancen auf ein besseres Leben durch eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung

Führen Sie ein sinn- und wertebasiertes Leben

Stärken Sie Ihre Selbstheilungskräfte

Fördern Sie positive Emotionen

Pflegen Sie soziale Kontakte

Stimulieren Sie die Wohlfühlhormone des Gehirns

Leben Sie Ihre Sexualität

 

Schritt 6 – Vermindern Sie ungesunden Stress und psychosoziale Belastungen: Nehmen Sie Einfluss auf Ihre Lebenssituation

Unterscheiden Sie zwischen gesundem und krankmachendem Stress  

Verbessern Sie Ihre Stressmanagement-Fähigkeiten

Bewältigen Sie Probleme in Partnerschaft, Familie und Beruf

 

Schritt 7 – Bewältigen Sie belastende Ängste und traumatische Erfahrungen: Leben Sie achtsam im Hier und Jetzt

Verstehen Sie Herz-Kreislauf-Reaktionen als Ausdruck Ihrer Gefühle

Machen Sie aus Ihrer Herzangst eine gesunde Angst

Lernen Sie den erfolgreichen Umgang mit Panikattacken

Erweitern Sie Ihren Aktionsradius

Bewältigen Sie traumatisierende Krankheitserfahrungen

Stellen Sie sich der Angst vor Sterben und Tod

Leben Sie besser mit der Angst vor Trennung und Verlust

Nutzen Sie Strategien zur Bewältigung von Depressionen

 

Persönliches Schlusswort

Literatur

Anmerkungen

 


Vorwort

Das Herz galt in allen Kulturen und Religionen, in Europa seit der griechischen Antike, namentlich seit dem Philosophen Aristoteles, als Sitz der Seele, der Gefühle und Empfindungen, der guten und schlechten Gedanken bzw. Eigenschaften und damit als jenes Organ, das den Charakter des Menschen bestimmt.

Das Herz steht auch heute noch immer metaphorisch für Eigenschaften und Werte wie Herzlichkeit, Liebe, Leidenschaft, Freude, Lebenslust, Mitgefühl, Freundschaft, Tugend, Weisheit, Kraft, Stärke, Mut, Tapferkeit, Not und Schmerzen. Das liebende, leidende und sehnsüchtige Herz ist Thema vieler Romane, Gedichte, Gemälde und Musikstücke.

Wir haben laut Volksmund ein warmes, weiches, gutes, kaltes, hartes, verhärtetes, steinernes oder gebrochenes Herz. Wir können herzlich, warmherzig, offenherzig, leichtherzig, halbherzig, hartherzig oder herzlos sein.

Unser Herz schlägt bei Aufregung höher oder bis zum Hals, hüpft vor Freude, zerspringt vor Glück, rutscht in die Hose oder bleibt vor Schreck stehen.

Wir erleben etwas herzerfrischend, herzbewegend oder herzerschütternd. Etwas ist uns eine Herzensangelegenheit, kommt uns von Herzen, liegt uns am Herzen, tut uns im Herzen weh, schnürt uns das Herz zusammen, bricht uns das Herz vor Schmerz.

 Wir machen etwas voller Herzenslust und recht beherzt, tun vieles leichten Herzens, manches nur schweren Herzens, anderes wiederum aus tiefstem Herzen. Es kann uns leicht, schwer oder warm ums Herz werden. Wir können unser Herz öffnen, verschenken, verschließen oder verlieren.

Wir weinen herzzerreißend, sind tief im Herzen getroffen, fassen uns ein Herz, geben unserem Herzen einen Stoß, nehmen uns etwas zu Herzen, bringen etwas nicht übers Herz oder haben etwas auf dem Herzen.

Wir hören auf unser Herz, haben das Herz am rechten Fleck, haben ein Herz für etwas. Wir wünschen jemandem aus ganzem Herzen alles Gute und schicken jemandem herzliche Grüße.

Wir haben jemanden von Herzen gern, haben jemanden in unser Herz geschlossen, erobern jemandes Herz im Sturm, schütten jemandem unser Herz aus, sind mit jemandem ein Herz und eine Seele.

Worüber können Sie herzhaft lachen? Woran hängt Ihr Herz? Wo geht Ihnen das Herz auf? Was sind Ihre Herzenswünsche? Was tut Ihnen im Herzen weh? Was schmerzt Ihr Herz ganz besonders? Was sind Ihre typischen persönlichen Worte in bildhaftem Zusammenhang mit Ihrer „Herzbefindlichkeit“?

Der französische Philosoph René Descartes wies in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als erster Gelehrter darauf hin, dass Gefühle wie Angst, Liebe, Hass und Schmerz nicht im Herzen, sondern im Gehirn, dem Sitz des Bewusstseins, entstehen. Der Fortschritt der Wissenschaften hat dazu geführt, dass die Kernelemente der menschlichen Person im Gehirn lokalisiert werden.

Als seelenlose Pumpe, die das Blut mit Sauerstoff und allen lebensnotwendigen Nährstoffen durch den Körper befördert, bietet das Herz aus medizinischer Sicht die Voraussetzung für das Leben und Weiterleben des Menschen. Um 1975 entdeckten zwei amerikanische Physiologen, dass die Kommunikation vom Gehirn zum Herzen keine Einbahnstraße ist.

Das Herz ist nicht einfach nur der Befehlsempfänger des Gehirns, sondern hat ein eigenes unabhängiges Nervensystem mit mindestens 40000 Nervenzellen, das auf das Gehirn einwirkt und es maßgeblich beeinflusst.

Das zunehmende Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche hat zur Erkenntnis geführt, dass das Herz zwar nicht der Ursprung der Gefühle ist, aber jenes Organ, auf das sich Gefühle wie Angst, Furcht, Depression, Ärger und Wut sowie psychosoziale Belastungen in belastender, sogar lebensbedrohlicher Weise auswirken können.

Das Herz ist mehr als der Motor des Lebens; es ist auch der Ort, an dem sich unsere Gefühle, Gemütsverfassungen und stressreichen Lebenserfahrungen widerspiegeln. Psychische Probleme belasten das Herz-Kreislauf-System, umgekehrt belasten Herzprobleme die Psyche.

Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen können psychische Folgeprobleme wie Angststörungen, Depressionen, Anpassungsstörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen den Heilungsverlauf ungünstig beeinflussen.

Der neue Zweig der Psychokardiologie berücksichtigt die Zusammenhänge zwischen Körper und Seele, Herz und Hirn, psychosozialen Belastungsreaktionen und Herz-Kreislauf-Reaktionen. Zwischen Herz und Hirn bestehen psychosomatische Wechselwirkungen.

Aufgrund der Herz-Hirn-Achse, die auf dem vegetativen (autonomen) Nervensystem beruht, können als Folge von belastenden Lebensumständen, langdauerndem Stress und chronischen Ängsten und Depressionen durch das anhaltend aktivierte sympathische Nervensystem verschiedene Herz-Kreislauf-Krankheiten entstehen, begünstigt durch einen gesundheitsschädlichen Lebensstil.

Als zentrale Ursachen dafür gelten ein permanent erhöhter Stresshormonspiegel, im Laufe der Zeit eintretende Gefäßveränderungen (Arteriosklerose aufgrund von Ablagerungen und Entzündungsprozessen) und eine raschere Blutgerinnung (Blutverdickung). Über den Vagusnerv, den zentralen Teil des parasympathischen Nervensystems, kommunizieren Gehirn und Herz dagegen in entspannender Weise.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesart in der westlichen Welt. Die positive Kernbotschaft lautet: Zu 90 Prozent handelt es sich bei kardiovaskulären Erkrankungen um Zivilisationskrankheiten, die mit dem Lebensstil in unserer Gesellschaft zusammenhängen, den man erfolgreich ändern kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen nicht nur bei Männern vor, sondern bei Frauen in höherem Alter sogar häufiger, und zwar häufiger als Krebs.

Das Herz ist die Quelle unseres Lebens. Brustschmerzen mit der Angst vor einem Herzinfarkt machen uns viel mehr Angst als Kopfschmerzen, die ein Warnzeichen für einen Gehirntumor, einen Schlaganfall oder eine tödliche Hirnblutung sein können.

Die Angst ums Herz, die jeden von uns mehr oder weniger stark erfasst, ist eine normale Reaktion auf reale oder vermeintliche Gefahren unseres Körpers.

Gesunde Angst soll uns mobilisieren, das Bestmögliche für unsere Herzgesundheit zu unternehmen, um dadurch die Dauer und die Qualität unseres Lebens zu erhöhen. Krankheitswertige Herzangst wirkt sich dagegen belastend und lähmend auf das Leben, die Lebensqualität und Funktionsfähigkeit der Betroffenen aus, und zwar sowohl von körperlich gesunden als auch von herzkranken Menschen.

Die Bezeichnungen Herzneurose, Herzphobie und Herzangst sind Diagnosen für Menschen, bei denen sich alles um das Herz dreht. Mit den Begriffen Herzneurose und Herzphobie wird die krankheitswertige Herzangst von herzgesunden Menschen bezeichnet.

Eine Herzangst weisen aber auch jene Menschen auf, die angesichts einer bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankung ständig auf ihr Herz fixiert sind und eine neuerliche lebensbedrohliche Beeinträchtigung fürchten, ohne die realen Lebensmöglichkeiten in der Gegenwart voll wahrzunehmen.

Ob körperlich gesund oder herzkrank, plagt viele Betroffene die Angst vor dem Sterben als längerdauerndem Prozess oder vor dem plötzlichen Herztod und den Folgen für die eigene Person sowie für die Angehörigen.

Bei der Herzneurose von körperlich gesunden Menschen geht es aus psychoanalytischer Sicht nicht primär um die Angst vor dem Tod, sondern vielmehr um die Angst vor Ablösung, Trennung oder Verlust, was von Ich-schwachen Personen durch den Verlust von Geborgenheit wie tot sein erlebt wird.

Menschen mit einer Herzphobie fürchten das, was Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits erlebt haben, etwa in Form eines Herzinfarkts, einer Angina pectoris oder einer schweren Herzrhythmusstörung.

Gesunde herzängstliche Personen müssen mit ihren unrealistischen Befürchtungen, Herzkranke mit ihren traumatisierenden Erfahrungen bzw. realistischen, jedoch ausufernden und blockierenden Bedrohungsängsten besser umgehen lernen. Das weitere Leben soll trotz ständiger Bedrohtheit mit der bestmöglichen Lebensqualität und seinen realen Chancen gelebt werden, ohne Fixierung auf den eigenen Tod oder den Verlust von Angehörigen.

Zahlreiche Personen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen reagieren auf ihre Beeinträchtigung keineswegs ängstlich-besorgt, sondern verhalten sich geradezu „kontraphobisch“.

Die Betroffenen verdrängen oder verschieben laut Fachleuten ihre Todesangst auf andere Ängste, etwa auf die Angst vor beruflichem oder sexuellem Versagen. Die Verleugnung existenzieller Ängste bei vielen Herz-Kreislauf-Kranken zeigt, wie groß die Angst vor Sterben und Tod tatsächlich ist, sodass sie erst bewusst gemacht werden muss, damit sie verarbeitet werden kann.

Als Klinischer Psychologe und Psychotherapeut in Österreich habe ich mich seit mehr als drei Jahrzehnten auf die Behandlung von Menschen mit Angst- und Panikstörungen, Krankheitsängsten und herzbezogenen Ängsten mit und ohne körperlichen Symptomen spezialisiert.

Im Laufe der Zeit haben sich in meiner Praxis auch immer mehr Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingefunden, die als Folge davon Panikattacken und existenzielle Ängste entwickelt hatten.

Seit der Jahrtausendwende habe ich Ratgeber zu allen fünf Gruppen von Angststörungen nach dem gegenwärtig (2024) gültigen internationalen Diagnoseschema (ICD-10) verfasst, ebenso Ratgeber zu Versagensangst, Prüfungsangst und Krankheitsangst sowie auch ein Fachbuch über Angststörungen und zwei weitere Ratgeber mit einem breiten Überblick über alle Angststörungen.

Ich empfehle Ihnen vor allem mein Buch „Wenn Angst das Leben bestimmt. Erfolgreiche Selbsthilfe bei Angststörungen“, das Hilfestellungen bei allen Formen von krankheitswertigen Ängsten bietet.

Angesichts der weiten Verbreitung von Herzangst bei Herzgesunden und HerzKreislauf-Kranken fehlt bislang ein Selbsthilfebuch für alle Leidenden. Selbst zur Thematik der Herzneurose bzw. Herzphobie gibt es neben der seit Jahrzehnten vorhandenen Fachliteratur kein Buch für Betroffene und deren Angehörige, das speziell dazu Hilfestellungen bieten würde.

In der klinischen Praxis wird die Herzangst von Gesunden oft vorschnell mit der Panikstörung oder mit der von der Definition her breiter gefassten Hypochondrie gleichgesetzt. Dieses Buch über Herzangst, bei der die ängstliche Besorgtheit um das Herz als Lebensmotor im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, ist mir daher eine echte Herzensangelegenheit.

Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Ratgeber ein gewisses Risiko eingehe, weil ich es nicht allen Leserinnen und Lesern recht machen kann. Menschen mit einer Herzphobie werden sich wohl wenig interessieren für die umfangreichen medizinischen Ausführungen über Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder vielleicht sogar Angst bekommen angesichts der Fülle der möglichen kardiovaskulären Erkrankungen und deren relativ detaillierter Darstellung.

Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen haben möglicherweise keine große Motivation, sich mit den aus ihrer Sicht harmlosen Problemen von Menschen mit einer Herzneurose bzw. Herzphobie auseinanderzusetzen. Es ist jedoch ein Faktum, dass herzphobische Personen auch einmal herzkrank werden können und herzkranke Menschen sich als Reaktion auf ihre Erkrankung nicht selten wie herzphobische Personen verhalten, obwohl sie sich aus ärztlicher Sicht mehr zutrauen könnten, als sie sich aus oft unberechtigter Angst vor einer Krankheitsverschlimmerung tatsächlich zumuten.

Neben der fachlichen und beruflichen Motivation beruht dieses Buch auch auf einer persönlichen Motivation durch meine Lebensgeschichte. Seit dem 47. Lebensjahr lebe ich derzeit (2024) als 72-jähriger mit der Diagnose Diabetes mellitus vom Typ 2, das heißt mit einem erhöhten Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Meine gesunde Angst um das Herz hat dazu geführt, dass ich alles Mögliche getan habe, körperlich, geistig und psychisch so fit zu sein und zu bleiben, wie ich mich jetzt fühle. Neben der Änderung gesundheitsschädlicher Lifestyle-Faktoren und der regelmäßigen Einnahme der aktuell besten Medikamente war für mich auch umfangreiches medizinisches Wissen eine wesentliche Unterstützung im ständigen Bemühen, herzgesund zu bleiben.

Aus diesem Grund finde ich es sehr wichtig, in diesem Buch über Herzangst nicht nur die psychischen und sozialen Aspekte zu Gesundheit und Krankheit bezüglich kardiovaskulärer Beeinträchtigungen zu thematisieren, sondern auch möglichst viele medizinische Informationen einfließen zu lassen.

Unwissen, falsche Informationen und Sorglosigkeit sind leider bedeutsame Quellen für eine unnötige Verschlechterung der Herz-Kreislauf-Befindlichkeit. Aufgrund des Gefühls der Unverwundbarkeit und leider auch wegen des früher mangelnden Interesses für den Einfluss von Vererbung und psychosozialen Belastungsfaktoren bei körperlichen Erkrankungen hatte ich vor Jahrzehnten zu wenig Angst, als ich meine Mutter und deren Bruder jahrzehntelang an Diabetes mellitus Typ 2 leiden und in weiterer Folge an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben sah.

Die medizinischen Recherchen für diesen Ratgeberhabe habe ich im Sinne eines Wissenschaftsjournalismus gewissenhaft auf der Basis der aktuellen Fach- und Populärliteratur vorgenommen, wie sie im Inhaltsverzeichnis dokumentiert ist. Dabei habe ich selbst viel dazugelernt:

Vor 20 Jahren hatte ich allen Personen noch versichert, dass sie als Folge von Angst- und Panikstörungen kein größeres Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben würden als andere Menschen. Die Erkenntnisse der Psychokardiologie haben mich eines Besseren belehrt:

Man muss schon auch aktiv etwas dazu beitragen, um nach immer wieder auftretenden bzw. gefürchteten Panikattacken, ständigen Krankheitsängsten, agoraphobischem Schon- und Vermeidungsverhalten, generalisierten oder sozialen Ängsten und einem herzschädlichen Lebensstil weiterhin psychisch und körperlich gesund zu bleiben.

Angst kann motivieren, aber auch lähmen. Herzangst kann Anstoß für Veränderung sein oder die Freude am Leben verderben. Mäßig ausgeprägte Herzangst stellt eine gesunde körperliche Warnfunktion dar, unkontrollierbare, krankheitswertige Herzangst verschlechtert dagegen die Lebensqualität.

Dieser Ratgeber soll Sie als gesunde bzw. kardiovaskulär erkrankte Person trotz immer wieder aufflackernder Herzangst ermutigen, den bestmöglichen Einfluss auf Ihre körperliche, psychische und soziale Befindlichkeit zu nehmen, um ein sinnerfülltes Leben führen zu können. Sie werden angeleitet, Ihre Angst ums Herz erfolgreich zu bewältigen, und zwar auf der Basis von Erkennen, Verstehen und Behandeln.

Es geht darum, dass Sie zukünftig mehr vom Leben haben als bisher, ohne dass Ihre Herzangst vorher ganz verschwinden muss, denn völlig ohne Angst wäre das Leben noch lebensgefährlicher als sonst. Wie schon Erich Kästner geschrieben hat: „Das Leben ist immer lebensgefährlich.“ Es kommt darauf an, innerhalb der uns vergönnten Lebenszeit das Bestmögliche aus unserem Leben zu machen.

Das oberste Ziel jedes Organismus in der Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt ist Leben und Überleben. Unser menschliches Leben ist schöner, befriedigender oder zumindest erträglicher, wenn es auch mit einem tieferen Sinn und einer hohen emotionalen Bedeutung verbunden ist.

Teil 1 dieses Ratgebers beschreibt die Herzangst von Gesunden sowie häufige Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit allgemein verständlichen Informationen zum medizinischen Krankheitsgeschehen und den dabei häufig auftretenden herzbezogenen Ängsten.

Teil 2 erläutert die Wechselwirkungen zwischen den typischen Risikofaktoren bzw. belastenden Ängsten einerseits und bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen andererseits im Sinne eines biopsychosozialen Erklärungsmodells.

Teil 3 bietet eine Anleitung zur Selbsthilfe in Form von 7 Schritten. Die medizinischen Informationen in Teil 1 und Teil 2 sind ein Service für Interessierte und stellen keine Voraussetzung zum besseren Verständnis von Teil 3 dar, sodass Sie mit der Lektüre des Selbsthilfeteils beginnen können und von den anderen Ausführungen vielleicht nur das lesen, was am ehesten einen Bezug zu Ihrer Person hat.

Dieses Buch möchte nicht nur Informationen, sondern vor allem auch Motivation und möglichst konkrete Hilfestellungen für ein herzgesundes Lebens vermitteln. Sollten die dargelegten Erklärungen und Selbsthilfestrategien zwar anregend und unterstützend, aber für Sie nicht allein umsetzbar und nicht ausreichend wirksam sein, ist eine problem- und symptombezogene Psychotherapie angezeigt.

In der Absicht, ein möglichst hohes Ausmaß an Verständnis für bedeutsame biopsychosoziale Zusammenhänge zu schaffen und die Selbsthilfemöglichkeiten zu verbessern, habe ich zentrale medizinische, psychologische und psychotherapeutische Informationen und Ratschläge bewusst mehrfach mit unterschiedlichen Worten wiederholt – für manche Leserinnen und Leser vielleicht zu oft, für andere Personen hoffentlich in hilfreichem Ausmaß. Lesen Sie dieses Buch wie ein Nachschlagewerk für Themen, die Sie besonders interessieren.

Ich wünsche Ihnen, falls Sie ein herzgesunder Mensch sind, dass Sie bestmöglich auf Ihre Herzgesundheit achten. Die Angst ums Herz soll Sie motivieren, alle bekannten körperlichen, psychischen und sozialen Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu minimieren, um weiterhin ein herzgesundes Leben führen zu können.

Falls Sie eine Person mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sind, wünsche ich Ihnen die bestmögliche Bewältigung der Grundkrankheit und deren psychischen Folgeproblemen, sodass Sie zuversichtlicher als bisher in die Zukunft blicken können. Falls Sie zu den Fachleuten gehören, würde es mich freuen, wenn auch Sie von diesem Buch profitieren könnten und es Betroffenen weiterempfehlen würden.

Für Rückmeldungen über die Kontaktdaten auf meiner umfangreichen Homepage https://panikattacken.at bin ich sehr dankbar. Was sollte bei einer weiteren Auflage stärker berücksichtigt werden? Welche medizinische Ausführungen sind ergänzungsbedürftig, ungenau oder sogar falsch, sodass eine Korrektur dringend erforderlich ist? Welche psychotherapeutische Hilfestellungen und grundlegende Ratschläge sollten noch vermittelt werden?

Aufgrund der jederzeit möglichen Aktualisierung dieses Amazon-Buches können sinnvolle oder gar notwendige Änderungen bzw. Erweiterungen rasch umgesetzt werden.

Falls Sie diesen Ratgeber lieber als eBook lesen möchten, stelle ich Ihnen dieses Buch um wenig Geld oder im Rahmen einer Kindle Unlimited-Mitgliedschaft sogar kostenlos zur Verfügung.

Mit diesem Buch möchte ich über meine Psychotherapiepraxis hinaus hilfreich tätig sein.

Um einen möglichst großen Kreis von Betroffenen und Interessierten erreichen zu können, habe ich den Preis dieses Buches viel niedriger als allgemein üblich festgelegt, zumal ich nicht von materiellen Interessen geleitet bin.

 

Dr. Hans Morschitzky