Dr. Hans Morschitzky

Psychotherapeut

Verhaltenstherapie und Systemische Familientherapie

A-4040 Linz, Hauptstraße 77     

Tel.: 0043 732 778601  E-Mail: morschitzky@aon.at

Telefonische Anmeldung täglich 17:00 - 17:30 (ansonsten Anrufbeantworter)

Seite meiner Homepage https://panikattacken.at   

 

 

 

F43.2 Anpassungsstörungen - Belastungsstörungen - psychische Reaktionen auf belastende Lebenssituationen

Die Diagnosekategorie F43 drückt krankheitswerte Reaktionen auf schlimme Erlebnisse bzw. belastende Lebensumstände aus, die jeden von uns mehr oder weniger stark beeinträchtigen würden.

Der Code F43.0 bezeichnet die akute Belastungsreaktion, der Code F43.1 die Postraumatische Belastungsstörung.

Nach den Angststörungen ist die Diagnose Anpassungsstörung die nächsthäufigste Diagnose in meiner Praxis.

Die alleinige Bezeichnung Anpassungsstörung, wie sie im ICD-10 vorgesehen ist, verwende ich in meiner Praxis nur selten, weil sie von vielen Menschen ohne nähere Erklärung leicht im Sinne einer Verhaltensstörung missverstanden werden kann.

Ich bevorzuge die Bezeichnung F43.2 Anpassungsstörung (Belastungsreaktion bei psychosozialem Stress). Manchmal verwende ich als Diagnose auch einen Subtyp davon, vor allem F43.21 längere depressive Reaktion.

Bei Anpassungsstörungen handelt es sich nach dem ICD-10 (Zitat laut deutscher Version im blauen Hogrefe-Buch):

"um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktionen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebensereignis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit von schwerer körperlicher Krankheit auftreten.

Die Belastung kann die Unversehrtheit des sozialen Netzes betroffen haben (bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnis), das weitere Umfeld sozialer Unterstützungen und sozialer Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht).

Die Belastung kann dabei nur den Einzelnen oder auch seine Grupe oder Gemeinde betreffen.

Die individuelle Disposition oder Vulnerabilität spielt bei dem möglichen Auftreten und bei der Form der Anpassungsstörung eine größere Rolle als bei anderen Krankheitsbildern von F43 (F43.0, F43.1, F43.3). Es ist aber dennoch davon auszugehen, dass das Krankheitsbild ohne die Belastung nicht entstanden wäre.

Die Anzeichen sind unterschiedlich und umfassen depressive Stimmung, Angst, Besorgnis (oder eine Mischung von diesen), ein Gefühl, unmöglich zurechtzukommen, vorauszuplanen oder in der gegenwärtigen Situation fortfahren zu können, ferner eine Einschränkung bei der Bewältigung der alltäglichen Routine.

Der Betreffende kann sich so fühlen, als stehe er kurz vor dramatischem Verhalten oder Gewaltausbrüchjen, wozu es aber selten kommt.

Besonders bei Jugendlichen können jedoch Störungen des Sozialverhaltens, wie zum Beispiel aggressives oder dissoziales Verhalten, zu dieser Störung gehören. Keines der Symptome ist in diesen Fällen schwer genug oder an sich so markant, dass es eine spezifische Diagnose rechtfertigt.

Bei Kindern gehören regressive Phänomene, wie das Wiederauftreten von Bettnässen, Babysprache oder Daumenlutschen häufig zu diesem Syndrom. Wenn diese Merkmale vorherrschen, sollte F43.23 diagnostiert werden.

Die Störung beginnt im Allgemeinen innerhalb 1 Monats nach dem belastenden Ereignis oder der Lebensveränderung.

Die Symptome halten meist ncht länger als 6 Monate an, außer bei der längeren depressiven Reaktion (F43.21).......

Die Diagnose hängt ab von einer sorgfältigen Bewertung der Beziehung zwischen:

1. Art, Inhalt und Schwere der Symptome;

2. Anamnese und Persönlichkeit und

3. belastendem Eriegnis, Situation oder Lebenskrise.

Das Vorhandensein des dritten Kriteriums soll eindeutig nachgewiesen sein, und es müssen überzeugende, wenn auch vielleicht nur vermutete Gründe dafür sprechen, dass die Störung ohne Belastung nicht aufgetreten wäre...

Wenn die Kriterien für eine Anpassungsstörung erfüllt sind, können das klinische Bild bzw. die vorwiegenden Merkmale mit der fünften Stelle näher gekennzeichnet werden.

F43.20  kurze depressive Reaktion

Ein vorübergehender leichter depressiver Zustand, der nicht länger als 1 Monate dauert.

F43.21  längere depressive Reaktion

Ein leichter depressiver Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastungssituation, der aber nicht länger als 2 Jahre dauert.

F43.22  Angst und depressive Reaktion gemischt

Sowohl Angst als auch depressive Symptome sind vorhanden, aber nicht stärker ausgeprägt als bei Angst und depressive Störung, gemischt (F41.2) oder sonstige gemischte Angststörungen (F41.3).

F43.23  mit vorwiegender Störung von anderen Gefühlen

Die Symptome betreffen zumeist verschiedene affektive Qualitäten, wie Angst, Depression, Sorgen, Anspannung und Ärger. Die ängstlichen und depressiven Symptome können die Kriterien für die gemischte Angst- und depressive Störung (F41.2) oder sonstige gemischte Angststörungen (F41.3) erfüllen, aber sie sind nicht so vorherrschend, dass andere, mehr spezifische depressive oder Angststörungen diagnostiziert werden können..."

Die weiteren Anpassungsstörungen ziehen sich primär auf Kinder und Jugendliche und werden hier nicht näher dargestellt.

Die Diagnosen F43.20, F43.21, F43.22 und F43.23 spiegeln eine vorübergehend psychisch krank machende Belastungssituation oder Lebensveränderung wider und treffen auf viele Menschen zu, die ohne diese belastenden Lebensumstände keine Psychotherapie beginnen würden.

Diese Diagnosen stellen daher für Menschen, die sich bisher als psychisch völlig normal erlebt haben, keine Stigmatisierung dar, wie dies manche Betroffene im Fall der Diagnose "depressive Episode, mittelschwer" erleben würden.

Die Diagnosen F43.21 und F43.22 können auch bei einer beruflichen Überforderung im Sinne eines Burnout-Syndroms verwendet werden, weil "Burnout" im ICD-10 keine Hauptdiagnose, sondern nur eine Zusatzdiagnose darstellt.